Der Täter

EIN BERÜCHTIGTER MÖRDER, EIN NOTORISCHER SEXUALSTRAFTÄTER ODER EIN „EINSAMER WOLF“?

War es Wim Smulders?

Wer ist für das Verschwinden von Tanja Groen verantwortlich? Wer war in der Nacht vom 31. August auf den 1. September 1993 in Maastricht? Handelt es sich um einen notorischen Sexualstraftäter, einen berüchtigten Mörder oder um einen „einsamen Wolf“, der unter dem Radar bleibt?

Im Laufe der Jahre wurden einige illustre Namen mit dem Verschwinden von Tanja Groen in Verbindung gebracht. Man denke an Marc Dutroux, den belgischen Serienmörder, der auch in der Grenzregion Limburg aktiv war. Auch der französische Sexualstraftäter und Serienmörder Michel Fourniret, der jetzt zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, kam zur Sprache. Aber hartnäckiger hält sich seit Jahren der Verdacht, dass Wim Smulders aus Geldrop in Brabant beteiligt sein könnte.

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Dutroux, Fourniret oder Smulders

Sowohl Dutroux als auch Fourniret benutzten bei ihren Verbrechen einen Lieferwagen, in dem sie das Opfer und das Fahrrad mitnahmen, aber es wurden nie konkrete Beweise gegen sie gefunden. Hartnäckiger ist seit Jahren der Verdacht, dass der niederländische Totengräber Wim Smulders aus Geldrop in Brabant beteiligt sein könnte. Der Mann wurde wegen Mordes an einer Frau verurteilt und sein Name wurde mit mehreren Verschwundenen in Verbindung gebracht, aber er ist inzwischen gestorben. Hatte er etwas mit dem Verschwinden von Tanja Groen zu tun? Hat er das Geheimnis mit ins Grab genommen? Wer war Wim Smulders?

Der Mord an Rienja

Wim Smulders war 55 Jahre alt, als Tanja verschwand. Ein stämmiger Mann mit Glatze, 1,70-1,80 m groß. Er arbeitete damals in der Snackfabrik Mora, aber auch als Totengräber auf dem jüdischen Friedhof in Eindhoven. Im Dezember 1993, einige Monate nach Tanjas Verschwinden, wurde Smulders wegen des Mordes an der 35-jährigen Rienja Swepersadsingh aus Eindhoven verhaftet. Auch diese Frau war zunächst verschwunden, so dass keine schlüssigen Beweise gegen den Einwohner von Geldrop vorlagen, obwohl in seinem Auto Blutspuren von ihr gefunden wurden. Smulders war ein Kollege der attraktiven Rienja in der Snackfabrik, er hatte ihr einmal bei einem Umzug geholfen und wurde von Zeugen am Abend ihres Verschwindens als Letzter mit ihr gesehen. Er soll gelegentlich erotischen Kontakt mit Rienja gehabt haben.

„Geiler Willem“

Zeugen und Experten beschreiben Wim Smulders als „geistig minderbemittelt und übersexualisiert“. Aus diesem Grund wurde er auch „Geiler Willem“ genannt. Als die Leiche von Rienja Ende 1993 unerwartet von Jägern im Wald zwischen Steensel und Veldhoven gefunden wurde, wurde Smulders verhaftet und zu sechs Jahren Haft und TBS (Zwangstherapie) verurteilt. Das Pieter Baan Centrum (die maßgebliche psychiatrische Kinik der niederländischen Forensik) kam zu dem Schluss, dass Smulders – verheiratet und Vater von drei Kindern – an Zwangsstörungen litt und Frauen beherrschen und erniedrigen wollte.

Zwei weitere Vermisstenfälle

Die Ermittler in Tanjas Fall wurden von dem Team, das in Rienjas Fall ermittelte, auf Wim Smulders aufmerksam gemacht. Der Totengräber kam regelmäßig nach Valkenburg in Limburg, und es steht fest, dass er in einem bestimmten Zeitraum auch mehrmals in Maastricht war und sich dort gut auskannte. Aber das war noch nicht alles. Smulders’ Name war in zwei anderen Fällen verschwundener junger Frauen aufgetaucht, die bis heute nicht aufgeklärt wurden. Smulders selbst kann dazu nicht mehr befragt werden, denn er ist tot. Er starb 2014 in der TBS-Klinik. Der Mord an Rienja und seine mutmaßliche Verwicklung in andere Vermisstenfälle machen ihn jedoch auch in Tanja Groens Fall sehr verdächtig.

Es geht um die folgenden Fälle:

 ANNY HEYLIGERS – 1966

Anny HeyligersAls der Ehemann der 23-jährigen Anny Heyligers im November 1966 nach Hause kam, stand ein Topf mit Essen auf dem Herd, ihr 14 Monate alter Sohn lag in seinem Bettchen, aber Anny war nirgends zu finden. Ihr Mantel und ihre Geldbörse lagen auf dem Boden, aber sie war nicht da und kam auch nicht wieder. Jeder, der sie kannte, sagte, dass sie ihren kleinen Sohn niemals allein lassen würde. Die Polizei konzentrierte sich zunächst auf den Ehemann, doch er war unschuldig. Die Nachforschungen ergaben, dass zu Anny an diesem Nachmittag ein Klempner gekommen war. In der Tat: Wim Smulders aus Geldrop. Der Verdacht erhärtete sich damals jedoch nicht.
Von Anny wurde nie wieder eine Spur gefunden.

 HENNY MAAS – 1975

henny maasHenny Maas war ein 15-jähriges Mädchen aus Geldrop, dem Wohnort von Wim Smulders. Sie hatte zu Hause Probleme und lief am 18. Februar 1975 weg. Sie wollte die Nacht in einem leerstehenden Gebäude der Katholischen Arbeiterjugend (KAJ) verbringen, das nur einen Steinwurf von Smulders’ Wohnung entfernt liegt.
Dass sie Smulders persönlich kannte, steht fest. Am nächsten Tag fanden Hennys Schulkameraden sogar einen Zettel von ihr, auf dem stand, dass sie zu Wim Smulders gehen wolle… Die Freunde klingelten bei Smulders, aber er behauptete, Henny nicht gesehen zu haben.
Seitdem hat niemand sie mehr gesehen.

Damals galt bei der Polizei noch das Motto „kein Mord ohne Leiche“, und so kam Smulders ungeschoren davon. Nachdem er jedoch mit dem Fall Rienja in Verbindung gebracht und verurteilt worden war, gab es also drei Vermisstenfälle, in die er irgendwie verwickelt war. Aber das war noch nicht alles.

Die Aussage von Pieter K.

Denn 1995 wurde durch die Fernsehsendung „Peter R. de Vries, misdaadverslaggever“ bekannt, dass ein verurteilter Betrüger, ein gewisser Pieter K., belastende Aussagen über Smulders gemacht und ihn mit nicht weniger als elf Morden an jungen Frauen in Verbindung gebracht hatte, darunter auch Tanja Groen. Der ehemalige Totengräber soll die meisten dieser Frauen über einen Zeitraum von 30 Jahren in der Strabrechtse-Heide, südöstlich von Eindhoven, begraben haben. Smulders wohnte nur zwei Kilometer entfernt und kannte dort jeden Winkel. Der Informant, Pieter K., war in der Haftanstalt in Grave mit Smulders in Kontakt gekommen, und sich gut mit ihm verstanden, weil Pieter K., der in Eindhoven geboren war, den gleichen Dialekt wie Smulders sprach. Zwischen den beiden entstand ein Vertrauensverhältnis, in dessen Verlauf Smulders die Morde an Tanja Groen und zehn weiteren Frauen gestanden habe, so K., der beim Untersuchungsrichter eine ausführliche Aussage machte.

Ungelöschter Kalk

Dieser Aussage zufolge habe Smulders die Frauen getötet und sie dann mit Hilfe eines scharfen Spatens auf dem weitläufigen Gelände der Strabrechtse Heide vergraben, nachdem er die Leichen zuvor mit ungelöschtem Kalk bedeckt hatte, um ihre Entdeckung zu erschweren. Die Verbrechen hatten alle einen sexuellen Hintergrund. Laut Pieter K. hat Wim Smulders Tanja in der Nacht ihres Verschwindens bei Gronsveld angesprochen und sie samt Fahrrad in seinem Auto mitgenommen. Falls Pieter K.s Geschichte wahr ist, wäre Wim Smulders sofort einer der größten – wenn nicht der größte – Serienmörder der Niederlande und Tanjas Leiche müsste in der Strabrechtse Heide gesucht werden.

Zweifel

Pieter K.s Aussage war ausführlich und enthielt offenbar Fakten, die er nicht den Medien entnommen haben konnte. Polizei und Justiz hielten sie für glaubwürdig und wendeten sie im Fall Rienja Swepersadsingh auch an, denn auch in diesem Fall sei Smulders gesprächig gewesen, so Pieter K. Im Laufe der Zeit kamen jedoch Zweifel am Wert von Ks Aussage auf. War er nicht einfach ein geschickter professioneller Betrüger, der sich schnell Informationen aneignen und zu seinem Vorteil einsetzen konnte? Hätte er nicht von seiner Aussage und der Verurteilung des Totengräbers aus Geldrop profitiert und sich deshalb vielleicht etwas ausgedacht? Einige seiner Angaben waren nicht kohärent, sondern enthielten sogar widersprüchliche Informationen.

Der Mord an Andrea Luten

Im Lauf der Zeit kamen weitere Fakten zum Vorschein, die Anlass zu einigen Vorbehalten geben. So hatte Wim Smulders laut K. auch den Mord an Andrea Luten vom Mai 1993 in Ruinen/Drenthe gestanden, aber wir wissen mittlerweile, dass dies nicht möglich ist. Dieser Mord wurde von Henk F. aus Hoogeveen begangen, der dafür verurteilt wurde und dessen DNA mit dem bei Andrea gefundenen Schamhaar übereinstimmte. Hat Pieter K. damit sein Blatt überreizt?

Im Jahr 2021 wurden die Aussagen von Pieter K. aus den Jahren 1994 und 1995 wieder von den Medien aufgegriffen und als „Neuigkeiten“ präsentiert, obwohl sie das natürlich nicht waren.

Hauptverdächtiger?

Jedenfalls ist der Name Wim Smulders immer noch auf dem Radar des Polizeiteams, das im Fall Tanja Groen ermittelt. Er ist einer der möglichen Verdächtigen. Die entscheidende Frage ist, ob Wim Smulders am Abend und in der Nacht des 31. August 1993 in Maastricht war. Es liegen Aussagen von Personen vor, die besagen, dass sich Smulders auf einem Campingplatz in der Nähe von Maastricht aufhielt, wahrscheinlich in Valkenburg.

Wenn das wirklich der Fall war, ist er aufgrund seiner Vergangenheit und seiner Beteiligung an mindestens zwei anderen Vermisstenfällen zweifellos ein wichtiger Verdächtiger. Allerdings kann er für diese Verbrechen nie mehr verurteilt werden. Zum jetzigen Zeitpunkt steht aber gar nicht fest, dass Smulders in dieser Nacht wirklich in Maastricht oder Umgebung war. Und so bleibt dies vorerst nur ein Szenario. Ein beklemmendes Szenario allerdings.

(Hinweise auf das Verschwinden von Anny Heyligers und Henny Maas sind ebenfalls sehr willkommen!)

Neue Suche nach Tanja

Mitte Juni 2021 suchte und grub die Polizei in Zusammenarbeit mit der NFI in der Strabrechtse Heide nach Spuren von Tanja. Die Grundlage dieser Aktion bildete die Zeugenaussage von Pieter K. über Willem Smulders.

Diese Aussage wurde erneut überprüft und K. wurde kürzlich erneut vernommen, wobei er seine damalige Aussage im Kern bestätigt hat. In einigen Punkten hat er sie auch leicht ergänzt oder korrigiert.
Auf dieser Grundlage wurde der Boden bei einem kleinen Teich in der Strabrechtser Heide Schicht für Schicht abgetragen, im Beisein von Geologen und forensischen Anthropologen. Die Suche dauerte zwei Tage und bekam erneut viel Publizität, aber es wurde nichts gefunden.

Schon zu Beginn der Aktion äußerten sich Polizei und Staatsanwaltschaft sowie Peter R. de Vries als Sprecher der Familie recht zurückhaltend über die Chancen, etwas zu finden.
Es wurde betont, dass die Geschichte von Willem S. „eines der Szenarien, eine Möglichkeit, eine Option“ sei und dass die Geschichte von Pieter K. auch Unstimmigkeiten enthalte.

Im Ergebnis der Suche konnte nun ausgeschlossen werden, dass Tanja in der Nähe des Teiches begraben liegt. „Recherchieren heißt eliminieren”, wie De Vries sagte. Das schließt jedoch nicht aus, dass Willem Smulders irgendetwas mit Tanjas Verschwinden zu tun hat.

Sehen Sie hier Fragmente aus: Peter R. de Vries, Kriminalreporter – 1996

In den Videos:

  1. Die Fakten, die Rekonstruktion der Route, die Tanja gefahren sein könnte und mögliche Szenarien.
  2. Der Täter? Wer war Wim Smulders? Was macht ihn verdächtig?
  3. Tanjas Eltern im Studio, ihre ständige Ungewissheit. Schon damals.
  4. Der Zeuge, der sich nach der Sendung bei Peter R. de Vries meldete.

Die Fakten

In den Jahren nach ihrem Verschwinden war Tanja Groen immer wieder in den Nachrichten, aber daraus ergab sich keine Spur von ihr.

Das geöffnete Grab

Ende Januar 2020 ließ die Staatsanwaltschaft ein altes Grab auf einem Friedhof bei Maastricht öffnen.

Die Medien

Viele (regionale) Medien haben seit 1993 regelmäßig über die Entwicklungen rund um Tanjas Verschwinden berichtet.

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Der Name Wim Smulders ist noch immer auf dem Radar des Polizeiteams, das im Fall Tanja Groen ermittelt.